Worte des Monats Oktober 2015: kapores, kaputt

Das heute nur noch selten synonym zu »kaputt« benutzte »kapores« entstammt dem westjiddischen Ausdruck »kapores shlogn«, der auf den am Vorabend von Jom Kippur durchgeführten Brauch zielte, Hühner als Sühneopfer um den eigenen Kopf zu schwingen und später zu schlachten. Das hebräische »kapara(h)« stand dabei für »Sühne«, »kaparot« für »Versöhnung«.
Im Rotwelschen ist das Lexem seit dem 18. Jahrhundert bezeugt: »Capores/capore machen« übersetzten das Duisburger Vocabular (1724) und das Waldheimer Lexikon (1726) als »(er)morden«. Die Rotwelsche Grammatik (1755) deutete »Kabbores gehen« als »ums Leben kommen«. J. K. von Trains Woerterbuch der Gauner- und Diebs vulgo Jenischen Sprache (1833) erwähnt »kapores« für »leblos, tot«, »kapore teken« für »Sühneopfer darbringen« und – durchaus prosaisch – »kapores malochnen« für »vertilgen«.
E. W. Germers Schrift Das Studentenkorps Vandalia (1859) aus Leipzig zeigt, dass »kapores sein« (für »kaputt sein«) über das Rotwelsche in die Studentensprache gelangte. Noch heute gibt der Duden für »kapores gehen« die Bedeutung »entzwei gehen« an, attestiert ihm aber eine geringe Häufigkeit.

Vgl. »Pleite, bankrott, kaputt: Wie ›kapores‹ vom Sühneopfer an Jom Kippur über die Handelssprache in den Alltagswortschatz überging«, in: Jüdische Allgemeine, 70. Jg., Nr. 37-38 v. 10.9.2015, S. 17.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23269