Die Bedeutung und das Verwendungsspektrum dieses Ausdrucks sind offensichtlich: "an einer Sache gut verdienen", "Gewinn herausholen", "von etwas profitieren", "aus etwas Vorteile ziehen".
Die Herkunft dieses Ausdrucks ist den meisten Sprachbenutzern nicht mehr bewußt. Er geht auf die Zeit zurück, als die Münzen noch einzeln von Hand aus dem Metallblech herausgeschlagen werden mußten, weil es keine Prägemaschinen gab. Hier haben wir also den kognitiv-linguistisch interessanten Fall, daß ein Ausdruck bestimmte Umstände gleichsetzt mit einem Edelmetallblech, aus dem Geld herausgeschlagen werden kann.
Der Ausdruck oszilliert zwischen "das Wesentliche", "ein großer Vorteil" und "die Hälfte der zum Spielgewinn nötigen Punkte bringen" (von einem Stich mit 31 Augen). Die letztere Bedeutung ist natürlich nur im Kontext des Kartenspiels zu verstehen: "die halbe Miete (sein/bringen)" ist in der Sprache der Skatspieler ein gängiger Ausdruck.
Was dem Stadtbewohner nicht unbedingt geläufig ist: als "Miete" bezeichnet man auch eine mit Stroh oder Erde abgedeckte Grube, in der Rüben oder ähnliche Feldfrüchte zum Schutz gegen Frost aufbewahrt werden. Die etwas rustikalere Erklärung unserer Redewendung ist daher durchaus nicht abwegig: war die halbe Miete gefüllt, so war bereits die Hälfte der Ernte eingebracht.
Kapital und halbe Miete