Archiv für den Monat: September 2015

Worte des Monats September 2015: mosern und dibbern

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts charakterisiert „mosern“ im Sinne von „quengeln“, „nörgeln“ als landschaftlich und salopp. C. W. Zimmermann definierte das Wort in „Die Diebe in Berlin“ (1847) als „sprechen“, auch „kaspern“, „sich durch Klopfen an die Wand den Mitgefangenen verständlich machen“ und setzte „vermosern“ gleich mit „verpfeifen“, „jemanden durch seine Angaben oder Geständnisse dergestalt hineinreiten, dass derselbe für überführt erachtet wird“. Im Jiddischen gab es „massren“ für „anschwärzen“ und das Substantiv „Mosserer“ („Denunziant“).

Das seit dem 15. Jahrhundert bezeugte Wort „dibbern“ wurde über das Rotwelsche und die Händlersprachen aus dem Westjiddischen entlehnt. H. Sterns „Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten“ (2000) beleuchtet das semantische Spektrum von „dibbern“ – vom standardsprachlichen „leise auf jemanden einreden“ über die Deutung als „zanken“ (Rheinisches Wörterbuch) bis zur Auslegung als „nörgeln“ (Hamburgisches Wörterbuch).

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23161

Vgl. Christoph Gutknecht: »Mosern ist nicht gleich Mosern: Der jiddischstämmige Begriff hatte über die Jahrhunderte unterschiedliche Bedeutungen«, in: Jüdische Allgemeine, 70. Jg., Nr. 35 v. 27.8.2015, S. 17.