Archiv für den Monat: Oktober 2013

Wort des Monats November 2013: Kiebitz kiebitzen

http://www.etymologie.info/%7Ee/_e/_e-wwdmon.html

Wer uns beim Schach-, Skat-, Tarock-, Billard- oder Pokerspiel über die Schulter sieht und ungebetene Ratschläge gibt, ist ein „Kiebitz“. Bei A. J. Storfer (Im Dickicht der Sprache, 1937) liest man, dass sich der „Kiebitz“, wie der Wiener Ausdruck „Kiberer“ für Polizisten, von den seit dem 19. Jahrhundert üblichen Rotwelsch-Formen „Kiewisch“ beziehungsweise „kiewischen“ / „kibitschen“ herleitet.

Diese könnten dem jiddischen „koiwesch sein“ für „bezwingen“ / „bedrücken“ angelehnt sein; sie standen für „obrigkeitliche Prüfung“, „ärztliche Untersuchung von Prostituierten“ und die „gegenseitige Visitation der Gauner“, damit niemand einen Beuteanteil unterschlug.

(E?)(L?) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16841
Vgl. Christoph Gutknecht: »Falscher Vogel: Der Kiebitz beim Kartenspiel stammt nicht aus der Tierwelt, sondern aus dem Jiddischen«, in: Jüdische Allgemeine v. 22.8.2013.

Wort des Monats Oktober 2013: Kohl reden verkohlen

http://www.etymologie.info/~e/_e/_e-wwdmon.html

Über wirres Zeug, das jemand redet, heißt es oft: »Das ist doch alles Kohl!« Dieser Kohl ist für Duden-Online »umgangssprachlich abwertend«, für Kluge-Seebolds Etymologisches Wörterbuch von 2002 wie das Verb „verkohlen“ (für „veralbern“) sogar »vulgär«.

Die Herkunft des „Kohls“ ist umstritten. Mit Gemüse jedenfalls hat er nichts zu tun. Wolfgang Pfeifer vertritt im Etymologischen Lexikon des Deutschen (1993), die Gleichsetzung sei im 18. Jahrhundert aus dem jiddischen „chaulem“/“cholem“ für „unnützes, wertloses, sinnloses Zeug“ (nach dem hebräischen „halom“ für „Traum“) entstanden.

Die Analogie von „lügen“ und „Kohle“ könnte aber auch durch Brauchtum gestützt sein, etwa die Feier des Niederfalls, also des Ernteendes, während der man Leute zum Nachbarn schickte, um fiktive Werkzeuge zu holen. Die eingeweihten Nachbarn gaben dem Boten einen Sack mit Steinen o.ä. und beschmierten ihm so, dass er es nicht merkte, das Gesicht mit Kohlenstaub.

(E?)(L?) http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16991
Vgl. Christoph Gutknecht: „Red‘ keinen Kohl. Wie aus dem hebräischen Traum der deutsche Unsinn wurde“, in: Jüdische Allgemeine vom 12.09.2013.